Vergiss esOder was die Maschine von der scheinbaren menschlichen Schwäche des Vergessens lernen kann.

Menschliches Vergessen wird im Alltag gemeinhin als Schwäche wahrgenommen. Dabei ist die Fähigkeit unwichtige Informationen zu vergessen durchaus sinnvoll und in vielen Bereichen sogar überlebensnotwendig. Sie fragen sich nun warum? Wir leben in einer Zeit, in der Wissen Macht und Ansehen bedeutet. Das Besitzen und Erhalten von Wissen wird als ultimative Errungenschaft betrachtet, und das Vergessen wird meistens als vermaledeite Niederlage gesehen.

Warum Vergessen wichtig ist

Betrachten wir einfach folgendes simples Beispiel: Sie machen eine 15-minütige Autofahrt mit der Familie von Ihrer Haustür bis zum Supermarkt im Nachbarort: Allein die visuellen, akustischen und emotionalen Impressionen während dieser kurzen Autofahrt – Einsteigen und Losfahren, das Gelächter der Kinder, die Konzentration auf den Straßenverkehr, ein Regentropfen auf der Windschutzscheibe, das Gespräch mit dem Partner über die Wochenendplanung, das Erinnern an die Einkaufsliste etc. – diese alltäglichen Erlebnisse erzeugen bereits eine schier atemberaubende Informationsflut. Und so macht es durchaus Sinn, dass unser Kurzzeitgedächtnis uns blitzschnell ganz viele irrelevanten Informationen wieder vergessen lässt.

Würden wir die unendlich vielen täglichen Eindrücke, Gefühle, Emotionen als gesammeltes Wissen komplett und langfristig abspeichern, wäre der Speicher unseres Gehirns innerhalb kürzester Zeit überfüllt und die Menge an nutzlosen unstrukturierten Informationen würde die Menschheit lähmen – oder in den Wahnsinn treiben. Das Zauberwort ist daher Selektion. Die einfache Unterteilung in relevante und irrelevante Informationen entscheidet über Effektivität unseres Handels und über unseren Erfolg – oder eben auch unseren Misserfolg.

Dagegen galt die elektronische Datenspeicherung, die Möglichkeit des grenzenlosen Sammelns von Daten, von Anfang an als eine der größten Errungenschaft der Menschheit. Der Segen von Big Data hat sich aber mittlerweile in einen Fluch verwandelt. So haben unterschiedliche Studien von renommierten universitären Einrichtungen gezeigt, dass Mitarbeiter in Unternehmen sich mittlerweile täglich mit etwa 70-95% ROT-Data, also redundanten, obsoleten und trivialen Daten herumschlagen müssen – Tendenz steigend!  

Exit Strategie für Daten erforderlich

Es fehlt eine Exit-Strategie für veraltete Daten. Dies führt nicht nur zu einer Überforderung der einzelnen Mitarbeiter, einem enormen Mehraufwand mit steigenden Kosten, sondern auch zu hoher Fehleranfälligkeit mit bedenklichen Sicherheitsrisiken. Die Verstöße gegen die DSGVO kommen als zusätzliches quälendes Problem noch hinzu. Ebenso verursacht die unkontrollierte Sammelwut auf unterschiedlichsten Speichermedien von Festplatte bis Cloud enorme Umweltschäden, Green Data sei hier nur als Schlagwort genannt.

„Dann vergiss es doch einfach!“ würde man nun am liebsten laut rufen. Ein schnelles Handeln ist gefragt und bei dem exponentiellen Datenwachstum auch dringend nötig. Doch die Geister, die man rief, wird man bekanntlich nicht ganz so einfach wieder los. Dort wo das menschliche Gehirn die Funktion des Vergessens hat, braucht es in der IT umgehend neue Formen und Entwicklungen, die die ROT-Data aus der Sicht der Nutzer verbannen. Es muss sehr schnell für mehr Transparenz und Sicherheit gesorgt werden und es braucht einen effizienten und umweltschonenden Umgang mit Daten.

Intentional Forgetting ist Forschungsschwerpunkt

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Schwerpunkt "Intentional Forgetting" wird von Informatik  und Psychologie gemeinsam darin geforscht, wie das menschliche bewusste Vergessen funktioniert und wie man Vergessen in Computersystemen umsetzen kann.

„Was absichtlich vergessen heißt, kann man sehr gut am Beispiel "Zuhause mal Ausmisten" veranschaulichen. Dabei muss man sich bewusst überlegen, was man behalten will, also im Speicher lässt und was man weggeben, also vergessen oder löschen, kann. Wir alle wissen, dass solche Entscheidungen kognitiv aufwendig sind“, so Prof. Dr. Ute Schmid, die zum Projekt Dare2Del an der Universität Bamberg forscht. „Es ist anstrengend, sich gute Kriterien zu überlegen, was man behalten will oder nicht und dabei abzuschätzen, ob man etwas in der Zukunft doch nochmal brauchen würde.“

Warum Wissenschafter:innen versuchen, dem Computer Vergesslichkeit beizubringen 

In dem Projekt Dare2Del befasst sich Schmid speziell mit dem Löschen von Dateien. In anderen Projekten geht es zum Beispiel um das Vergessen von Handlungsroutinen. Laut Ihrer Expertise  führt das permanente Sammeln von Daten zu immer mehr Bedarf an Speicherplatz, insbesondere in der Cloud. Und gerade solche großen Speicherfarmen benötigen sehr viel Energie und haben damit nachteilige Effekte auf die Umwelt. „Meine Psychologie-Kollegin im Projekt konnte auch zeigen, dass viele irrelevante Daten einen auch mental belasten können.“ erläutert Schmid. „Gerade bei unstrukturierter Ablage können die vielen Dateien auch dazu führen, dass man nicht mehr so fokussiert und effizient arbeiten kann.“

migRaven.24/7 entlastet das Kurzzeitgedächtnis Ihres Fileservers 

Auch Unternehmen wie der Berliner Softwareentwickler migRaven GmbH haben die Not erkannt und eine adäquate Lösung entwickelt. Thomas Gomell, Software-Architekt und Experte für effektives Daten- und Berechtigungsmanagement hat daher federführend eine Software entwickelt, die die Datenberge auf den Fileservern in Unternehmern scannt und blitzschnell analysiert. Unnötige Daten werden anhand von festgelegten Meta-Daten automatisch archiviert. Der User behält aber weiterhin Zugang zum Archiv. Das gibt den verantwortlichen Nutzern die Sicherheit, dass sie auf versehentlich archivierte Daten weiterhin Zugriff haben. Denn gerade die Angst davor Fehler zu machen, führt oftmals zu einer regelrechten „Löschblockade“ in den Köpfen von Mitarbeitern. Zudem sparen Unternehmen mit dem Einsatz dieser effektiven Lösung Arbeitszeitzeit, Energie und reduzieren spürbar die Kosten.

Denn nur wenn Irrelevantes aus dem täglichen Sichtfeld verschwindet, kann Neues angewandt werden. Das menschliche Gehirn weiß das schon lange, die Künstliche Intelligenz muss es leider erst noch lernen.

OBEN